"Das Tal der Räuber"

Fisch & Fang: Das Tal der Räuber

Wer es auf Rekordhechte, dicke Barsche und kapitale Zander abgesehen hat, ist am Edersee goldrichtig. Allerdings hat das Großgewässer auch seine Tücken, wie MATHIAS FUHRMANN feststellte.

Quelle: "Fisch & Fang", 05/2007, Seite 74ff

Er gehört zu den größten deutschen Stauseen, doch dass er so bekannt ist unter Anglern, liegt an etwas anderem: an seinen Hechten. In den Fangstatistiken tauchen mit schöner Regelmäßigkeit Exemplare von über 40 Pfund auf. Der Edersee ist auch dank seiner zentralen Lage in Nordhessen ein Magnet für Petrijünger. Die Infrastruktur ist sehr gut und die Bewirtschaftung des Gewässers ganz auf die Bedürfnisse der Angler abgestimmt. Seit April 2004 gibt es keinen Berufsfischer mehr auf dem See, was zur Folge hat, dass sich die Fischbestände merklich erholen. Ganz besonders gilt das für die Zander. Außerdem werden in jedem Jahr durch die Interessengemeinschaft Edersee vom Zweckverband Kellerwald Edersee zirka eine Million vorgestreckte Hechte sowie 15.000 Zander eingesetzt.

Die IG Edersee hat errechnet, dass die mittlere Fisch-Biomasse des Edersees bei 150 Kilogramm pro Hektar liegt. Die Raubfische, speziell die Barsche, wachsen hervorragend ab, und die HechtWasserqualität ist deutlich gestiegen. Die Fangstatistik aus dem Jahr 2005 belegt, dass 1.868 Hechte mit 6,236 Tonnen Gewicht, 930 Zander mit 1,794 Tonnen und 6.306 Barsche mit 1,931 Tonnen erbeutet wurden. Hechte wogen demnach durchschnittlich knapp sieben Pfund, Zander etwa vier Pfund. Die mit zirka 40 Pfund schwersten Hechte hatten Längen um die 135 Zentimeter. Karpfen sind im Edersee zwar reichlich vorhanden, werden in der Regel jedoch kaum beangelt. Auch Salmoniden kommen vor: Seesaiblinge, Seeforellen und Regenbogenforellen. Mit Bachforellen ist in der Nähe von Bachmündungen zu rechnen. Vor über 20 Jahren wurde ein Ausnahmefisch mit einem Gewicht von annähernd 30 Pfund erbeutet, aus jüngerer Zeit allerdings sind derartige Fänge nicht bekannt. Der Weißfischbestand ist beachtlich.

Die Wassersichtigkeit schwankt je nach Schwebstoffeintrag. Dieser ist besonders im Frühjahr durch die Schneeschmelze und nach starken Niederschlägen beachtlich. Anfang Juni kann der See Sichttiefen von sechs bis sieben Metern haben. Aufgrund der sommerlichen Algenblüte trübt sich das Wasser dann ein, wird jedoch zum Herbst hin wieder klarer.

Zur Fischwaid: Sie ist im Edersee nicht ganz einfach. Wenn Sie sich im Frühjahr ein paar Erfolg versprechende Stellen ausgeguckt haben, kann dieser Platz bereits eine Woche später fast trocken liegen oder „Untiefen“ aufweisen. Der Edersee wurde nämlich nicht nur zum Hochwasserschutz, sondern vorwiegend zur Wasserstandsregulierung der Weser gebaut. Zander Im Mai jeden Jahres ist der Edersee mit zirka 200 Millionen Kubikmetern „randvoll“. Danach fällt der Wasserstand kontinuierlich, um im Herbst mit etwa 20 Millionen Kubikmetern den niedrigsten Stand zu erreichen. Innerhalb dieser Perioden kann die Differenz des Wasserstandes 30 Meter betragen! Eine gute Zeit, den Hechten nachzustellen, beginnt nach dem Ende der Schonzeit. Die Räuber nehmen im Frühjahr bekanntlich viel Nahrung auf und sind meist in der Nähe der flachen Laichbuchten zu finden. Somit planten wir, mein Freund und Ederseekenner Klaus Riemer und ich, unseren Trip Anfang Mai. Wir liehen uns bei „Struppy“, alias Bernd Stobrawa, ein solides Ruderboot mit Elektromotor und stachen mit Spinnruten „bewaffnet“ in See. Klaus steuerte das Boot zielstrebig in eine Bucht, in der am Ufer zahlreiche Bäume stehen. Bekannt ist der Platz unter dem Namen Buchholzufer. Mit Jerkbait, Gummifisch und Co. suchten wir die Bereiche systematisch ab. Der Erfolg jedoch blieb aus. „Das ist fast immer eine sichere Bank hier!“ grummelte Klaus. Nächster Stopp war eine Bucht bei Rehbach. Dort mündet ein kleiner Bach in den Edersee, und es gibt jede Menge Unterstände. Es roch regelrecht nach Hecht, aber zwei Stunden später strichen wir auch hier die Segel. Nach einer etwas längeren Fahrt kamen wir in der Bringhausener Bucht an. Dort befindet sich rund um die markante „Liebesinsel“ ein ausgeprägtes Flachwasser-Areal, das wir intensiv befischten. Leider verging die Zeit wie im Flug, und zwar ohne jeden Kontakt. Die Mine von Klaus verfinsterte sich von Minute zu Minute: „Das muss am Wetter liegen!“ sagte er. So Unrecht hatte er damit wohl nicht, denn es wurde zunehmend kälter.

Letzter Versuch: eine kleine Bucht gegenüber der Kahlen Haardt. Dort erstreckt sich eine lange Untiefe weit in den See hinein. Die Kanten und auch der Uferbereich sahen zwar viel versprechend aus, aber wie das so ist, wenn der Wurm drin ist, kann man nichts machen. „Die Niederwerber Bucht“, erzählte Klaus, „ist ein sehr gutes Frühjahrs- Angelgebiet. Dort hat man auch beim Schleppen gute Chancen. Dies sollte im Frühjahr dicht an der Scharkante erfolgen, denn die Hechte lauern mit Vorliebe in den versunkenen Bäumen oder im Bereich von Felsen. An einigen Stellen gibt es noch alte Mauerreste, die beliebte und fängige Bereiche darstellen. Bei Asel Süd befindet sich sogar noch eine ganze Brücke im See. Eine hervorragende Stelle für große Hechte und Zander.“ Leider hatten wir keine Zeit mehr, dort unser Glück zu versuchen.
Luftbild EderseeNach diesem Schneidertag fuhren wir am nächsten Morgen in den oberen Ederseeteil und begannen, in einer kleinen Bucht bei Asel mit Gummifischen und Jerkbaits zu fischen. Aber es tat sich nichts. Nun denn. Wir kannten das ja bereits. Stellungswechsel: Wir fuhren in die Nähe von Harbshausen. Doch der Platz, den Klaus anvisiert hatte, war bereits mit zwei Booten besetzt. Also weiter nach Herzhausen. Dort mündet die Eder in den See, und neben dem Flussbett erstrecken sich weiträumige Flachwassergebiete. Da wir Hochstau hatten, waren diese überflutet. „Hier laichen die Hechte!“ sagte Klaus. Leider ist ein Teil dieses Bereiches Naturschutzgebiet und darf nicht beangelt werden. Dennoch: Von allen Gebieten, die Klaus mir zeigte, gefiel es mir dort am besten.

Zurück zu unserem Törn: Trotz größter Anstrengungen blieben Klaus und ich ohne Fisch. Das sollte jedoch niemanden davon abhalten, den Edersee zu befischen, denn der Lohn kann dick, lang und wunderschön gezeichnet sein. Wir hatten einfach nur Pech. Doch so schnell gaben wir nicht auf. Im Oktober besuchte ich Klaus erneut und war beeindruckt, als ich den See bei Niedrigstau erblickte. Dieses Mal wollten wir in erster Linie den exzellenten Barschbestand dezimieren. HechtAls Klaus Würmer einpackte, schaute ich ihn ungläubig an, denn als leidenschaftlicher Kunstköderangler vertraute ich voll auf meine Twister und Shads. Wir fuhren um die Hopfenberge herum und ankerten in der Nähe einer Anlegestelle. Beim An- und Ablegen der Dampfer rührten die Schrauben das Ederseewasser ordentlich durch, wobei Futter frei wurde und Unmengen an Fischen anlockte. Wichtig an diesem Platz, der „Am Meyer“ genannt wird, ist es, aus Sicherheitsgründen ausreichend Abstand zum Dampfer zu halten. Bereits beim ersten Wurf hatten wir Kontakt und fingen schließlich einen Barsch nach dem anderen. Die gestreiften Stachelritter waren zumeist 15 bis 25 Zentimeter lang. Bereits nach kurzer Zeit hakte ich mit meinen Kunstködern kaum noch etwas, aber Klaus erbeutete mit Würmern einen Barsch nach dem anderen. Der Trick: Er zupfte die halbierten Würmer über den Gewässergrund, wobei ein kleines, rundes Laufblei als Beschwerung diente. Bei einem Biss wartete er kurz und schlug dann sanft an. Nachdem auch ich auf seine Methode umgestellt hatte, fingen wir munter vor uns hin. Schließlich hatten wir so um die 80 Barsche in Längen bis 35 Zentimetern überlistet. Die ganz Großen waren zwar nicht dabei, aber wir waren dennoch mehr als zufrieden. „Gute Erfolge“, erzählte Klaus, „werden auch mit dem Drop Shot erzielt“. Diese einfach anzuwendende Methode bringt am richtigen Platz Fisch auf Fisch. Wichtig dabei ist, nicht zu früh anzuschlagen.

Die Barsche im Edersee wachsen zu beachtlichen Größen heran. Regelmäßig werden Fische in Längen von mehr als 50 Zentimetern erbeutet. Altersbestimmungen ergaben, dass 50 Zentimeter lange Barsche im Edersee teilweise lediglich acht Jahre alt sind. BarschBarsche sind speziell ab Mitte Mai beziehungsweise bei Wassertemperaturen ab 18 Grad relativ problemlos zu fangen. Beständige Hochdruckwetterlagen wirken sich ebenfalls fangfördernd aus. Meist sind die flinken Räuber in Wassertiefen bis zu acht Metern anzutreffen, im Winter auch tiefer. Besonders Erfolg versprechende Stellen befinden sich an den Bootsstegen sowie in Bereichen versunkener oder am Ufer stehender Bäume. Die richtig großen Barsche werden zumeist mit Köderfischen gefangen, aber auch das Kunstköderangeln verspricht gute Beute. Und noch einmal versuchten Klaus und ich unser Glück, schleppten die Scharkanten ab und hofften auf einen guten Hecht. Doch unsere Mühe war nicht von Erfolg gekrönt. Später erfuhren wir, dass mehrere erfolgreiche Angler ihre Kapitalen zwischen 20 und 22 Uhr gefangen hatten. Wir merkten es uns.

Besonders interessant für die Großhechtfischerei ist die kalte Jahreszeit. Die meisten Schwergewichte werden ab November im Gebiet zwischen den Hopfenbergen und der Staumauer erbeutet. Im Winter stehen dort so viele Weißfische, dass das Echolot den Grund nicht erreicht. Da sind die Räuber natürlich nicht weit. BarscheGängige Angelmethoden sind das stationäre und mobile Köderfischangeln. Gummifische, speziell die großen, werden zwar auch angeboten, haben sich jedoch noch nicht so richtig durchgesetzt. In den vergangenen Jahren hat das Zanderangeln immer mehr an Beliebtheit gewonnen. Mit modernen Angelmethoden, wie dem Vertikalangeln und dem Back Trolling, wurden großartige Fänge erzielt. Es ist zwar nicht die Regel, aber Fische in Gewichten bis zu zehn Kilogramm sind möglich. Während meines Besuches hatte ich das Vergnügen, Sven Homringhausen sowie seine Freunde Christian Völkel und Christopher Klasen kennenzulernen. Sie haben den jährlich stattfindenden Stachelritter Cup bereits mehrmals gewonnen. Als „Beifang“ beim Zanderangeln gehen im Edersee immer wieder auch große Hechte und kapitale Barsche an die Köder.

Dabei ist die Wahl der Angelplätze natürlich ausgesprochen wichtig. Meist wird am auflandigen Ufer über kleinen Vorsprüngen und Plateaus geangelt. Sehr gute Plätze befinden sich auch im Bereich des alten Flussbettes. ZanderObwohl seit Jahren kein Aalbesatz mehr erfolgt, werden immer noch gute Fänge erzielt. Allerdings ist das Nachtangeln nur bis 24 Uhr erlaubt. Beste Zeiten, den Schlänglern nachzustellen, sind die Monate von Mai bis September. Aalangler erhalten immer wieder auch Welsbisse, was von einer Zunahme dieser Spezies zeugt und gezieltes Befischen herausfordert.

Zum Affoldener Stausee: Er ist ein Nachstau des Edersees und darf halbseitig beangelt werden. Im Durchschnitt ist er etwa vier, maximal zwölf Meter tief. Meistens wird vom Ufer aus gefischt. Bootsangeln ist jedoch ebenfalls äußerst Erfolg versprechend. Die vorkommenden Bach- und Regenbogenforellen lassen sich relativ gut fangen, erreichen Längen von annähernd 70 Zentimetern. Sogar Äschen sind vorhanden. Es kommen aber auch Hechte und Barsche vor. Leihboote erhält man am Campingplatz, und die Angelsaison beginnt am 1. April. Ein Termin, den man sich merken sollte, denn dann ist die Fischerei am besten. Aber auch in den Wochen danach lohnt es sich, den Flossenträgern nachzustellen.

Schonzeiten/Mindestmaße:
Edersee: Hecht 1.2.-15.4./50, Zander 15.3.-30.5./50, Barsch -/25, Forellen 15.10.-31.3./25,
Äsche 1.3.- 15.5./30, Aal -/40, Wels 15.5.- 15.7./60, Karpfen 15.3.-31.5./45,
Rotfeder 15.3.-31.5./20
Affoldener See: Bachforelle 15.10.- 31.3./25, Regenbogenforelle -/22, Aal -/40,
Äsche 1.3.-15.5./30, Hecht 1.2.-15.4./50

Lizenzen:
Edersee: zwei Tage 10, Woche 25, Jahr 100 Euro.
Affoldener See: Tag 6 Euro.
Ausgabestellen: siehe "Informationen" sowie bei fast allen Bootsverleihern.

Bestimmungen:
Edersee: Es sind zwei Handangeln erlaubt. Schutz- und Sperrgebiete sowie Taucher- und Wasserskizonen sind zu beachten. Vom 16.4.-31.1. darf mit einem Ruderboot, vom 1.10.-31.1. ebenfalls mit Elektromotoren geschleppt werden. Angelzeit: von Sonnenaufgang bis Mitternacht. Während der Hechtschonzeit ist das Raubfischangeln untersagt.
Affoldener See: Zwei Handangeln. Saison: vom 1.4.–31.1. Im Ederlauf zwischen Edersee und Brücke darf nur vom Ufer aus und mit der Fliegenrute gefischt werden. Das gekennzeichnete Schutzgebiet ist zu beachten. Angelzeit: von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

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