EDERSEE (uh). Mit dem Bau von Staumauern tat man sich im Kaiserreich lange Zeit schwer, denn unzählige Dammbrüche in anderen Ländern mahnten die deutschen Techniker, Ingenieure und Baumeister zur Vorsicht.
Dem Aachener Universitätsprofessor Otto Intze gelang schließlich unter Berücksichtigung statischer und physikalischer Gesetze die Entwicklung von Schwergewichtsstaumauern, die durch ihre wasserseitige Wölbung dem Druck des Wassers standhalten, und gleichzeitig die Kräfte in Verbindung mit dem Eigengewicht der Mauer auf die Talsohle übertragen. Die Leitung beim Bau der "Waldecker Talsperre" wurde dem geheimen Oberbaurat Dr. Ing. Sympher übertragen, die architektonische Gestaltung des Monumentalbauwerks erfolgte unter der Regie von Regierungsbaumeister Dr. Ing. Meyer, der auch mit der späteren Neuerrichtung der Dörfer beauftragt wurde.
Im Sommer 1905 besichtigte eine Kommision das spätere Seegebiet. Die Anwesenheit der "Herren aus Berlin" wurde von vielen Bürgern mit Argwohn und Distanz quittiert. Bei einer Zusammenkunft im Hemfurther Gasthaus Geitz erklärte der wegen der bekannt gewordenen Baupläne verärgerte Bürgermeister Dietzel aus Berich, dass er aus Protest nicht an einer Folgebesprechung auf Schloss Waldeck teilnehmen werde.
Doch alles Murren und kritisieren half nichts. Am 27. Juli 1905 wurden erste Bodenuntersuchungen unternommen, und rund ein Jahr später passierte ein Enteignungsgesetz von Grundeigentum für das Sammelbecken das Abgeordnetenhaus im Fürstentum Waldeck.