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Sperrmauer, Wasserseite, Foto: September 2003
Tödlicher Unfall an der Arbeitsschleppbahn

300 Maurer errichteten bei Hemfurth die Schwergewichtsstaumauer aus Grauwackesteinen


Quelle: Uli Klein, Waldeckische Landeszeitung
17.07.2004

EDERTAL-HEMFURTH-EDERSEE.

Die Planungen und Arbeiten an der Realisierung der Edertalsperre gingen sehr zügig voran. Im Frühjahr 1907 wurde bereits mit der Errichtung von Arbeiterbarracken begonnen, und gleich danach machten sich rund 500 italienische Arbeiter an den Bau eines Stollens oberhalb der späteren Sperrmauer, durch den der Fluß während der folgenden Monate umgeleitet wurde.

Im Mai 1907 erwarb der Preußische Staat die Stollmühle und große Teile des Hemfurther Gemeindelandes. Die Stollmühle, die heute an der Hammerbergspitze unterhalb des Wildparks vom Wasser überflutet ist, lieferte nach dem Einbau einer Turbine und Generator in den folgenden Jahren Strom für die inzwischen errichteten Beamtenhäuser und für ein Baubüro im späteren Dorf Edersee.
In der Nachbargemeinde Hemfurth dauerte es aber noch bis Weihnachten 1914, bis in vier Häusern die ersten Lichter angingen. Sechs Jahre zuvor begannen im Jahr 1908 bei Herzhausen Vermessungsarbeiten, im späteren Seegebiet fielen unzählige Bäume den Sägen und Äxten von Waldarbeitern zum Opfer, und im September des gleichen Jahres startete der Baubeginn an einer Arbeitsschleppbahn, die später beide Talseiten der Sperrmauerbaustelle miteinander verband. Einen ersten Eindruck von der gewaltigen Größe der "Waldecker Talsperre" liefert die Auftragsvergabe an die Firma Holzmann aus Frankfurt, die am 15. September 1909 erfolgte.

Darin wird das Verarbeiten von 300000 Kubikmeter Bruchsteinmauerwerk und die Bewältigung von 190000 Kubikmeter Erd- und Felsenarbeiten beschrieben. Im März 1910 war es dann soweit. Der erste Spatenstich erfolgte an der Sperrmauerbaustelle.

Unfall mit zwei Toten

Nur wenige Monate danach stand die Inbetriebnahme der Schleppbahn auf dem Programm, im April war das Sperrmauermodell bei der Bericher Hütte fertiggestellt, und die Firma Holzmann erhöht die Anzahl der eingesetzten Arbeiter mit Galiziern, Böhmern, Italienern und Bosniern auf rund 1200.

Das Vorankommen an der Mammutbaustelle wird in der Reichshauptstadt Berlin mit Stolz beobachtet, denn im August 1910 begannen bereits die Mauerabeiten am Fundament. Doch es gab auch Rückschläge. Am 12. September verunglückten fünf Männer an der Sperrmauerschleppseilbahn, zwei von ihnen starben. Doch auch außerhalb der Arbeitszeiten forderte der Talsperrenbau Menschenopfer, als beispielsweise ein Italiener (Kantinenwirt in Berich) von einem Landsmann im Streit erschossen wurde. Das Jahr 1910 war offensichtlich kein gutes Jahr für die Entstehung des Edersees. Im Dezember mussten die Arbeiten an der Talsperre wegen eines Kälteeinbruchs für mehrere Wochen eingestellt werden, aber im folgenden Jahr ging es wieder mit Hochdruck weiter.

Im April nahmen Regierungsbeamte die Talsperrenfundamente ab, und anschließend machten sich 300 Maurer an die Errichtung der Schwergewichtsmauer aus Grauwackesteinen.

Deren Gewinnung sorgte monatelang am "Weißen Stein" bei Rehbach für mitunter heftige Erschütterungen des Umlandes, denn nur durch Sprengungen ließ sich das Material gewinnen, dass danach mit einer Schmalspurbahn bis an die Sperrmauerbaustelle gebracht wurde.

Schon während der Bauarbeiten an der Talsperre zeichnete sich die touristische Wirkung des Edersees ab. Besonders Bad Wildungen profitierte vom einsetzenden Fremdenverkehr, denn die Badestadt diente vielen Menschen als Ausgangs- und Endpunkt von Wanderungen in das benachbarte Edertal.

Während das Heilbad lange Zeit in seiner Entwicklung zurück geblieben war, erlebte die Stadt durch den Bau der Talsperre einen wahren Übernachtungsboom. Im Jahr 1906 wurden bereits über 10000 Gäste in Bad Wildungen gezählt, und vier Jahre später war die Zahl auf stattliche 12600 angewachsen. Der erhöhte Bekanntheitsgrad hatte auch positive Auswirkungen für den Heilwasserversand. Im Jahr 1865 wurden noch rund 64000 Flaschen pro Jahr verschickt, doch bis zum Jahr 1910 erlebten die Bad Wildunger Abfüllanlagen und das Versandgeschäft mit über 1800000 Flaschen einen sprunghaften Anstieg.
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