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Kraftwerk "Hemfurth I" an der linken Seite der Talsperre
Ederwasser schießt durch gewaltige Rohre

Am Edersee erzeugen drei verschiedene Kraftwerkstypen Strom mit Wasserkraft


Quelle: Uli Klein, Waldeckische Landeszeitung
30.10.2004

EDERTAL-HEMFURTH-EDERSEE

Nach Inbetriebnahme der Sperrmaueranlage 1914 entstanden in der Folge drei verschiedene Kraftwerkstypen am Edersee. Zunächst ging an der linken Talseite der Mauer das Speicherkraftwerk "Hemfurth I" in Betrieb, dann folgte "Hemfurth II" und die Pumpspeicherwasserkraftwerke "Waldeck" sowie das Laufwasserkraftwerk Affoldern.

Während heute über den langfristig angelegten Ausstieg aus der risikobehafteten und störanfälligen Kernenergienutzung diskutiert wird, sind seit mehreren Jahrzehnten die Kraftwerke am Edersee ein Paradebeispiel für umweltfreundliche Stromgewinnung durch den Einsatz und das Nutzen natürlicher Ressourcen. Nur ein Jahr nach der Sperrmauer-Fertigstellung gingen die sechs Turbinen des Kraftwerkes "Hemfurth I" im Jahr 1915 ans Netz. Vom Fuße der Staumauer lieferte die Anlage bei Volllastbetrieb insgesamt 13 Megawatt an elektrischer Energie.

Nachdem der Startknopf für die damals revolutionäre Stromerzeugung mit Wasserkraft gedrückt war, veränderte sich auch unterhalb der Sperrmauer das Erscheinungsbild der Landschaft grundlegend. Zwischen Affoldern und Hemfurth wurde ein Ausgleichsbecken angelegt, und auf dem Peterskopf entstand ein Hochspeicherbecken für den Betrieb des Pumpspeicherkraftwerks Bringhausen, das später in "Waldeck I" umbenannt wurde.

Von den Bauarbeiten im Monat Oktober des Jahres 1930 berichtet Ludwig Bing im Waldeckischen Landeskalender von damals: "Wir sind auf der unteren Baustelle angekommen, überall Krane, Lokomotiven, Kies, Schotter, Zement, Gleisanlagen, Baracken. Ein sinnverwirrendes Durcheinander, so scheint es zuerst. Und dennoch herrscht peinliche Ordnung. Zur Beförderung der Baumaterialien und zur Anfuhr der Maschinen wurde ein vollspuriger Gleisanschluss von der Bahnstation Bergheim-Giflitz zum Kraftwerk gebaut. Eben fährt fauchend ein Güterzug ein, und schon dreht sich ein gewaltiger Kran, um mit starkem Arm einen Wagen nach dem anderen zu entladen.

Vor uns liegt das gewaltige Krafthaus mit den Anbauten für die "Warte" (Anmerkung der Redaktion: Schalt-, Steuer- und Überwachungszentrale), die Schmiede und Schlosserei, die Eigenbedarfsanlagen, die sanitären Anlagen und das Büro. In dem Maschinenraum des Krafthauses, das dereinst die gewaltigen Turbinen, Pumpen und Generatoren beherbergen soll, machen wir staunend halt. Wir erfahren, dass die Halle eine lichte Breite von 12,20 Metern bei einer Gesamtlänge von rund 118 Metern hat."

Seine Eindrücke von der Fahrt mit der Standseilbahn auf den Peterskopf und die laufenden Bauarbeiten am Oberbecken von "Waldeck I" beschrieb Ludwig Bing so: "Langsam setzt sich der Wagen in Bewegung. Neben uns führen die beiden fast vollendeten Druckrohrleitungen nach oben. Sie bestehen aus gewaltigen Rohren mit einem Durchmesser von 2,30 bis 2,60 Metern. Wir betreten den Boden des Beckens, Bohrmaschinen hämmern in stetem Gleichklang, knirschend fressen sich Bagger in die Gesteinsmassen ein.

Unablässig ertönt das maschinengewehrähnliche Tacken der Nietapparate. Mit schrillem Pfiff künden qualmende Lokomotiven das Nahen der Werkbahnen. Wir gelangen zur Aufbereitungsanlage. Auch hier das rastlose Dröhnen der Maschinen. Polternd werden die gewonnen Steine zerkleinert und gesiebt, um dann von zwei fahrbaren Gießmaschinen zu Beton verarbeitet zu werden. Zahlreiche Schlafbaracken, Kantinen und Werkbauten sind rings entstanden. Auch sie veranschaulichen die Größe des begonnen Werkes."

Zur gleichen Zeit laufen im Edertal die Bauarbeiten am Ausgleichsbecken bei Affoldern. Die Preußische Elektrizitäts A.-G. hatte die Ausführung im März 1929 in Auftrag gegeben. Das Becken erfüllt seitdem zwei Funktionen. Zum einen dient es dem Edersee als Wasserausgleich des Talsperrenkraftwerkes, zum anderen wird es als Rückpumpbecken für die Pumpspeicherkraftwerke benötigt.

Das zunächst kleinere, rund 5,7 Kilometer lange Becken, entstand durch die Aufschüttung eines Dammes, der sich von Affoldern bis an das Kraftwerksgelände nach Hemfurth erstreckte. Bei der Schüttung des Dammes wurden mehr als 275000 Kubikmeter Erdmassen verarbeitet. Drei Jahre zuvor waren die Arbeiten an der Errichtung von "Hemfurth II" an der rechten Talsperrenseite angelaufen. Mit der Inbetriebnahme der Wasserkraftanlage wurde die Kraftwerksleistung an der Sperrmauer von rund 13000 Kilowatt auf etwa 30000 Kilowatt gesteigert.
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