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Er gehört zu den größten deutschen Stauseen, doch dass er so bekannt ist unter Anglern, liegt an etwas anderem: an seinen Hechten. In
den Fangstatistiken tauchen mit schöner Regelmäßigkeit Exemplare von über 40 Pfund auf. Der Edersee ist auch dank seiner zentralen
Lage in Nordhessen ein Magnet für Petrijünger. Die Infrastruktur
ist sehr gut und die Bewirtschaftung des Gewässers ganz auf die
Bedürfnisse der Angler abgestimmt. Seit April 2004 gibt es keinen
Berufsfischer mehr auf dem See, was zur Folge hat, dass sich die
Fischbestände merklich erholen. Ganz besonders gilt das für die
Zander. Außerdem werden in jedem Jahr durch die Interessengemeinschaft
Edersee vom Zweckverband Kellerwald Edersee zirka eine Million vorgestreckte
Hechte sowie 15.000 Zander eingesetzt.
Die IG Edersee hat errechnet, dass die mittlere Fisch-Biomasse
des Edersees bei 150 Kilogramm pro Hektar liegt. Die Raubfische,
speziell die Barsche, wachsen hervorragend ab, und die Wasserqualität
ist deutlich gestiegen. Die Fangstatistik aus dem Jahr 2005 belegt,
dass 1.868 Hechte mit 6,236 Tonnen Gewicht, 930 Zander mit 1,794
Tonnen und 6.306 Barsche mit 1,931 Tonnen erbeutet wurden. Hechte
wogen demnach durchschnittlich knapp sieben Pfund, Zander etwa vier
Pfund. Die mit zirka 40 Pfund schwersten Hechte hatten Längen um
die 135 Zentimeter. Karpfen sind im Edersee zwar reichlich vorhanden,
werden in der Regel jedoch kaum beangelt. Auch Salmoniden kommen
vor: Seesaiblinge, Seeforellen und Regenbogenforellen. Mit Bachforellen
ist in der Nähe von Bachmündungen zu rechnen. Vor über 20 Jahren
wurde ein Ausnahmefisch mit einem Gewicht von annähernd 30 Pfund
erbeutet, aus jüngerer Zeit allerdings sind derartige Fänge nicht
bekannt. Der Weißfischbestand ist beachtlich.
Die Wassersichtigkeit schwankt je nach Schwebstoffeintrag. Dieser
ist besonders im Frühjahr durch die Schneeschmelze und nach starken
Niederschlägen beachtlich. Anfang Juni kann der See Sichttiefen
von sechs bis sieben Metern haben. Aufgrund der sommerlichen Algenblüte
trübt sich das Wasser dann ein, wird jedoch zum Herbst hin wieder
klarer.
Zur Fischwaid: Sie ist im Edersee nicht ganz einfach. Wenn Sie
sich im Frühjahr ein paar Erfolg versprechende Stellen ausgeguckt
haben, kann dieser Platz bereits eine Woche später fast trocken
liegen oder „Untiefen“ aufweisen. Der Edersee wurde nämlich nicht
nur zum Hochwasserschutz, sondern vorwiegend zur Wasserstandsregulierung
der Weser gebaut.
Im Mai jeden Jahres ist der Edersee mit zirka 200 Millionen Kubikmetern
„randvoll“. Danach fällt der Wasserstand kontinuierlich, um im Herbst
mit etwa 20 Millionen Kubikmetern den niedrigsten Stand zu erreichen.
Innerhalb dieser Perioden kann die Differenz des Wasserstandes 30
Meter betragen! Eine gute Zeit, den Hechten nachzustellen, beginnt
nach dem Ende der Schonzeit. Die Räuber nehmen im Frühjahr bekanntlich
viel Nahrung auf und sind meist in der Nähe der flachen Laichbuchten
zu finden. Somit planten wir, mein Freund und Ederseekenner Klaus
Riemer und ich, unseren Trip Anfang Mai. Wir liehen uns bei „Struppy“,
alias Bernd Stobrawa, ein solides Ruderboot mit Elektromotor und
stachen mit Spinnruten „bewaffnet“ in See. Klaus steuerte das Boot
zielstrebig in eine Bucht, in der am Ufer zahlreiche Bäume stehen.
Bekannt ist der Platz unter dem Namen Buchholzufer. Mit Jerkbait,
Gummifisch und Co. suchten wir die Bereiche systematisch ab. Der
Erfolg jedoch blieb aus. „Das ist fast immer eine sichere Bank hier!“
grummelte Klaus. Nächster Stopp war eine Bucht bei Rehbach. Dort
mündet ein kleiner Bach in den Edersee, und es gibt jede Menge Unterstände.
Es roch regelrecht nach Hecht, aber zwei Stunden später strichen
wir auch hier die Segel. Nach einer etwas längeren Fahrt kamen wir
in der Bringhausener Bucht an. Dort befindet sich rund um die markante
„Liebesinsel“ ein ausgeprägtes Flachwasser-Areal, das wir intensiv
befischten. Leider verging die Zeit wie im Flug, und zwar ohne jeden
Kontakt. Die Mine von Klaus verfinsterte sich von Minute zu Minute:
„Das muss am Wetter liegen!“ sagte er. So Unrecht hatte er damit
wohl nicht, denn es wurde zunehmend kälter.
Letzter Versuch: eine kleine Bucht gegenüber der Kahlen Haardt.
Dort erstreckt sich eine lange Untiefe weit in den See hinein. Die
Kanten und auch der Uferbereich sahen zwar viel versprechend aus,
aber wie das so ist, wenn der Wurm drin ist, kann man nichts machen.
„Die Niederwerber Bucht“, erzählte Klaus, „ist ein sehr gutes Frühjahrs-
Angelgebiet. Dort hat man auch beim Schleppen gute Chancen. Dies
sollte im Frühjahr dicht an der Scharkante erfolgen, denn die Hechte
lauern mit Vorliebe in den versunkenen Bäumen oder im Bereich von
Felsen. An einigen Stellen gibt es noch alte Mauerreste, die beliebte
und fängige Bereiche darstellen. Bei Asel Süd befindet sich sogar
noch eine ganze Brücke im See. Eine hervorragende Stelle für große
Hechte und Zander.“ Leider hatten wir keine Zeit mehr, dort unser
Glück zu versuchen.
Nach
diesem Schneidertag fuhren wir am nächsten Morgen in den oberen
Ederseeteil und begannen, in einer kleinen Bucht bei Asel mit Gummifischen
und Jerkbaits zu fischen. Aber es tat sich nichts. Nun denn. Wir
kannten das ja bereits. Stellungswechsel: Wir fuhren in die Nähe
von Harbshausen. Doch der Platz, den Klaus anvisiert hatte, war
bereits mit zwei Booten besetzt. Also weiter nach Herzhausen. Dort
mündet die Eder in den See, und neben dem Flussbett erstrecken sich
weiträumige Flachwassergebiete. Da wir Hochstau hatten, waren diese
überflutet. „Hier laichen die Hechte!“ sagte Klaus. Leider ist ein
Teil dieses Bereiches Naturschutzgebiet und darf nicht beangelt
werden. Dennoch: Von allen Gebieten, die Klaus mir zeigte, gefiel
es mir dort am besten.
Zurück zu unserem Törn: Trotz größter Anstrengungen blieben Klaus
und ich ohne Fisch. Das sollte jedoch niemanden davon abhalten,
den Edersee zu befischen, denn der Lohn kann dick, lang und wunderschön
gezeichnet sein. Wir hatten einfach nur Pech. Doch so schnell gaben
wir nicht auf. Im Oktober besuchte ich Klaus erneut und war beeindruckt,
als ich den See bei Niedrigstau erblickte. Dieses Mal wollten wir
in erster Linie den exzellenten Barschbestand dezimieren. Als
Klaus Würmer einpackte, schaute ich ihn ungläubig an, denn als leidenschaftlicher
Kunstköderangler vertraute ich voll auf meine Twister und Shads.
Wir fuhren um die Hopfenberge herum und ankerten in der Nähe einer
Anlegestelle. Beim An- und Ablegen der Dampfer rührten die Schrauben
das Ederseewasser ordentlich durch, wobei Futter frei wurde und
Unmengen an Fischen anlockte. Wichtig an diesem Platz, der „Am Meyer“
genannt wird, ist es, aus Sicherheitsgründen ausreichend Abstand
zum Dampfer zu halten. Bereits beim ersten Wurf hatten wir Kontakt
und fingen schließlich einen Barsch nach dem anderen. Die gestreiften
Stachelritter waren zumeist 15 bis 25 Zentimeter lang. Bereits nach
kurzer Zeit hakte ich mit meinen Kunstködern kaum noch etwas, aber
Klaus erbeutete mit Würmern einen Barsch nach dem anderen. Der Trick:
Er zupfte die halbierten Würmer über den Gewässergrund, wobei ein
kleines, rundes Laufblei als Beschwerung diente. Bei einem Biss
wartete er kurz und schlug dann sanft an. Nachdem auch ich auf seine
Methode umgestellt hatte, fingen wir munter vor uns hin. Schließlich
hatten wir so um die 80 Barsche in Längen bis 35 Zentimetern überlistet.
Die ganz Großen waren zwar nicht dabei, aber wir waren dennoch mehr
als zufrieden. „Gute Erfolge“, erzählte Klaus, „werden auch mit
dem Drop Shot erzielt“. Diese einfach anzuwendende Methode bringt
am richtigen Platz Fisch auf Fisch. Wichtig dabei ist, nicht zu
früh anzuschlagen.
Die Barsche im Edersee wachsen zu beachtlichen Größen heran. Regelmäßig
werden Fische in Längen von mehr als 50 Zentimetern erbeutet. Altersbestimmungen
ergaben, dass 50 Zentimeter lange Barsche im Edersee teilweise lediglich
acht Jahre alt sind. Barsche
sind speziell ab Mitte Mai beziehungsweise bei Wassertemperaturen
ab 18 Grad relativ problemlos zu fangen. Beständige Hochdruckwetterlagen
wirken sich ebenfalls fangfördernd aus. Meist sind die flinken Räuber
in Wassertiefen bis zu acht Metern anzutreffen, im Winter auch tiefer.
Besonders Erfolg versprechende Stellen befinden sich an den Bootsstegen
sowie in Bereichen versunkener oder am Ufer stehender Bäume. Die
richtig großen Barsche werden zumeist mit Köderfischen gefangen,
aber auch das Kunstköderangeln verspricht gute Beute. Und noch einmal
versuchten Klaus und ich unser Glück, schleppten die Scharkanten
ab und hofften auf einen guten Hecht. Doch unsere Mühe war nicht
von Erfolg gekrönt. Später erfuhren wir, dass mehrere erfolgreiche
Angler ihre Kapitalen zwischen 20 und 22 Uhr gefangen hatten. Wir
merkten es uns.
Besonders interessant für die Großhechtfischerei ist die kalte
Jahreszeit. Die meisten Schwergewichte werden ab November im Gebiet
zwischen den Hopfenbergen und der Staumauer erbeutet. Im Winter
stehen dort so viele Weißfische, dass das Echolot den Grund nicht
erreicht. Da sind die Räuber natürlich nicht weit. Gängige
Angelmethoden sind das stationäre und mobile Köderfischangeln. Gummifische,
speziell die großen, werden zwar auch angeboten, haben sich jedoch
noch nicht so richtig durchgesetzt. In den vergangenen Jahren hat
das Zanderangeln immer mehr an Beliebtheit gewonnen. Mit modernen
Angelmethoden, wie dem Vertikalangeln und dem Back Trolling, wurden
großartige Fänge erzielt. Es ist zwar nicht die Regel, aber Fische
in Gewichten bis zu zehn Kilogramm sind möglich. Während meines
Besuches hatte ich das Vergnügen, Sven Homringhausen sowie seine
Freunde Christian Völkel und Christopher Klasen kennenzulernen.
Sie haben den jährlich stattfindenden Stachelritter Cup bereits
mehrmals gewonnen. Als „Beifang“ beim Zanderangeln gehen im Edersee
immer wieder auch große Hechte und kapitale Barsche an die Köder.
Dabei ist die Wahl der Angelplätze natürlich ausgesprochen wichtig.
Meist wird am auflandigen Ufer über kleinen Vorsprüngen und Plateaus
geangelt. Sehr gute Plätze befinden sich auch im Bereich des alten
Flussbettes. Obwohl
seit Jahren kein Aalbesatz mehr erfolgt, werden immer noch gute
Fänge erzielt. Allerdings ist das Nachtangeln nur bis 24 Uhr erlaubt.
Beste Zeiten, den Schlänglern nachzustellen, sind die Monate von
Mai bis September. Aalangler erhalten immer wieder auch Welsbisse,
was von einer Zunahme dieser Spezies zeugt und gezieltes Befischen
herausfordert.
Zum Affoldener Stausee: Er ist ein Nachstau des Edersees und darf
halbseitig beangelt werden. Im Durchschnitt ist er etwa vier, maximal
zwölf Meter tief. Meistens wird vom Ufer aus gefischt. Bootsangeln
ist jedoch ebenfalls äußerst Erfolg versprechend. Die vorkommenden
Bach- und Regenbogenforellen lassen sich relativ gut fangen, erreichen
Längen von annähernd 70 Zentimetern. Sogar Äschen sind vorhanden.
Es kommen aber auch Hechte und Barsche vor. Leihboote erhält man
am Campingplatz, und die Angelsaison beginnt am 1. April. Ein Termin,
den man sich merken sollte, denn dann ist die Fischerei am besten.
Aber auch in den Wochen danach lohnt es sich, den Flossenträgern
nachzustellen.
Schonzeiten/Mindestmaße:
Edersee: Hecht 1.2.-15.4./50,
Zander 15.3.-30.5./50, Barsch -/25, Forellen 15.10.-31.3./25,
Äsche 1.3.- 15.5./30, Aal -/40, Wels 15.5.- 15.7./60, Karpfen 15.3.-31.5./45,
Rotfeder 15.3.-31.5./20
Affoldener See: Bachforelle
15.10.- 31.3./25, Regenbogenforelle -/22, Aal -/40,
Äsche 1.3.-15.5./30, Hecht 1.2.-15.4./50
Lizenzen:
Edersee: zwei Tage 10,
Woche 25, Jahr 100 Euro.
Affoldener See: Tag
6 Euro.
Ausgabestellen: siehe "Informationen" sowie bei fast allen
Bootsverleihern.
Bestimmungen:
Edersee: Es sind zwei
Handangeln erlaubt. Schutz- und Sperrgebiete sowie Taucher- und
Wasserskizonen sind zu beachten. Vom 16.4.-31.1. darf mit einem
Ruderboot, vom 1.10.-31.1. ebenfalls mit Elektromotoren geschleppt
werden. Angelzeit: von Sonnenaufgang bis Mitternacht. Während der
Hechtschonzeit ist das Raubfischangeln untersagt.
Affoldener See: Zwei
Handangeln. Saison: vom 1.4.–31.1. Im Ederlauf zwischen Edersee
und Brücke darf nur vom Ufer aus und mit der Fliegenrute gefischt
werden. Das gekennzeichnete Schutzgebiet ist zu beachten. Angelzeit:
von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
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